Männer jagen, Frauen sammeln – das ist das Bild der Urgeschichte, wie wir sie uns vorstellen.

Als Jäger gilt der Mann als Haupternährer. Deshalb steht er an der Spitze der Gesellschaft. Doch
Forscher decken mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden u.a. aus der Forensik archäologische
Irrtümer auf – und stellen die klassischen Rollenbilder von Mann und Frau auf den Prüfstand…

Die Nachricht schlägt Wellen: In der Wikingerstadt Birka entdeckten Archäologen zur Jahrhundertwende ein
Grab mit Schwertern, Pferden, Pfeil und Bogen. Lange Zeit zweifelte niemand an der Identität dieses
Wikingers, es war ein Mann, ein Krieger, keine Frage. Doch Forscher der Universität Stockholm decken den
Irrtum auf. Jüngst haben sie die Knochen mittels DNA-Analyse untersucht. Das Ergebnis: Das Grab gehört
einer Frau. Sofort hagelt es Kritik, eine Wikingerin in einem Prunkgrab, nicht vorstellbar. Mit noch mehr
Aufwand wird eine zweite Studie durchgeführt. Anthropologen, Archäologen, Biologen arbeiten Hand in Hand
und stellen fest: Es ist eine Frau – und sie war sogar eine Kriegerin.
Wissenschaftliche Methoden, die auch in der Forensik zum Einsatz kommen, verhelfen Forschern weltweit
zu neuen Erkenntnissen. In der chinesischen Provinz Henan graben sich Archäologen durch mehrere
Jahrtausende Geschichte. Schicht für Schicht tragen sie übereinander liegende Siedlungsreste und Gräber
ab. Mit Hilfe der Isotopenanalyse lässt sich Lebensstil, Essgewohnheit und sozialer Status der ehemaligen
Siedler rekonstruieren. Vor der Agrarrevolution, dem Beginn von Ackerbau und Viehzucht im Übergang zur
Bronzezeit, gab es keinen sozialen Unterschied zwischen Mann und Frau. Die Geschlechter waren
gleichgestellt.
Auch in Europa deuten Überreste von Kulturen aus der Urzeit darauf hin, dass es Geschlechterhierarchien,
wie wir sie heute kennen, nicht gab. Die Megalithischen Tempel von Malta, zum Beispiel, beherbergen
Statuen von Frauen, sie sind wichtige Kult- und Fruchtbarkeitsfiguren. Oder die Höhlenmalereien von
Altamira und Chauvet mit Jagdszenen aus der Steinzeit – sie wurden von Männern geschaffen, so stand es
lange in den Büchern. Wissenschaftler entdecken Handabdrücke neben den Kunstwerken und stellen heute
fest, viele davon stammen von Frauen.
Der Film geht weltweit neuen Funden nach, deckt wissenschaftliche Irrtümer auf und erzählt die
Wendepunkte, die zur Benachteiligung der Frau führten.

Ausstrahlungstermine
Geschlechterkonflikt – Frauenbilder der Geschichte
52 min. TV Dokumentation auf ARTE
07. März 2020 um 21:05 Uhr

TERRA X: Mächtige Männer – Ohnmächtige Frauen? Neue Fakten aus der Vergangenheit
43 min. TV Dokumentation auf ZDF
12.Juli 2020 um 19:30 Uhr

Weitere Informationen
CREDITS
Regie: Birgit Tanner, Carsten Gutschmidt
Redaktion: Ruth Omphalius (ZDF)
Creative Producer: Tuan Lam
Produzent: Reinhardt Beetz

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